Warum Online-Meetings ins Leere laufen — und was Präsenz ändert
18. August 2026
Kurz gesagt: Die meisten Online-Meetings scheitern nicht an Technik oder Agenda, sondern am Zustand der Menschen im Raum — allen voran derer, die sie leiten. Aufmerksamkeit lässt sich nicht verordnen. Was sich steuern lässt, ist die eigene Präsenz: Sie überträgt sich, sogar durch schwarze Kacheln. Und sie ist trainierbar — entlang der vier Dimensionen des Salzburger Achtsamkeitsmodells (SAM).
Eine Stunde, fünfzig Menschen, zwei Themen
Neulich, ein Freitag: 60-Minuten-Call, rund 50 Teilnehmer, zwei Themen auf der Agenda. Während der Präsentationen kommen und gehen Kollegen. Im Chat laufen parallel mehrere Diskussionen — Fragen, Kommentare, alles gleichzeitig. Kameras: fast alle aus. Beim Poll am Ende: kaum noch Beteiligung.
Fünfzig Menschen, eine Stunde Arbeitszeit. Wie viel davon ist wirklich angekommen?
Woran solche Stunden wirklich scheitern
Der Reflex zeigt auf die Rahmenbedingungen: straffere Agenda, bessere Moderation, Kamerapflicht. Nur: Aufmerksamkeit lässt sich nicht verordnen — keine Regel der Welt ändert das. Was sich steuern lässt, ist der eigene Zustand. Wer einen Raum präsent führt, verändert ihn — hörbar im Tempo, in der Klarheit, im Umgang mit Störungen. Präsenz überträgt sich. Auch dann, wenn kein einziges Gesicht zu sehen ist.

Was Präsenz in einer solchen Stunde konkret heißt
Das Salzburger Achtsamkeitsmodell (SAM) übersetzt Achtsamkeit in vier Dimensionen — und jede davon hat in diesem Call einen präzisen Auftrag:
Fokus & Effizienz: das Thema nicht nur halten, sondern es Moment für Moment am Raum ausrichten — auch wenn der Chat gerade drei neue aufmacht.
Kreativität & Innovationsfähigkeit: aus kreuz und quer fliegenden Fragen die Muster erkennen und den Verlauf daraus neu gestalten, statt am Skript festzuhalten.
Empathie & Sozialkompetenz: merken, wann der Raum aussteigt — gerade dann, wenn kein Gesicht im Bild ist und nur der Chat leiser wird.
Vitalität & Resilienz: auch im fünften Call des Tages präsent sein, nicht nur zugeschaltet.
Wie diese vier Dimensionen zusammenhängen und warum sie sich wie jede andere Kompetenz trainieren lassen, habe ich im Beitrag über das Salzburger Achtsamkeitsmodell beschrieben.
Vom Lesen ins Üben
Präsenz entsteht nicht durch den Vorsatz, präsenter zu sein. Sie entsteht durch Training — am besten dort, wo der Alltag kurz Pause macht: Die offenen Seminartage im Kloster Steinfeld am 19. September und 21. November 2026 sind dafür der kompakteste Einstieg — ein Tag, viel Praxis, Ihr persönlicher Transferplan. Für Führungskreise mitten im Wandel ist das Mindfulness-Training für Unternehmen der passende Rahmen.
Andreas Grott arbeitet hauptberuflich als Transformation & People Development Lead in einem DAX-Konzern und begleitet daneben ausgewählte Unternehmen und Führungskräfte als Coach und Trainer.
